Das Naturfasern-Lexikon fasst die wichtigsten Begriffe rund um Naturfasern zusammen – von einzelnen Fasertypen pflanzlichen und tierischen Ursprungs bis hin zu Fachbegriffen aus Textilkunde, Kennzeichnung und Nachhaltigkeit. Es dient als schnelles Nachschlagewerk, um Herkunft, Eigenschaften und typische Verwendung einer Faser oder den Hintergrund eines Fachbegriffs auf einen Blick zu verstehen. Die Einträge sind alphabetisch sortiert und über die Schnellzugriffs-Leiste direkt erreichbar.
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A
- Alpakawolle
- Alpakawolle wird durch die jährliche Schur von Alpakas gewonnen, einer Kamelart aus den südamerikanischen Anden. Die Faser ist sehr weich, leicht, wärmeisolierend und nahezu frei von Wollfett (Lanolin), was sie im Vergleich zu Schafwolle als besonders hautfreundlich beschrieben werden lässt. Sie kommt natürlich in zahlreichen Farbtönen von Weiß bis Schwarz vor und wird vor allem für Pullover, Decken und hochwertige Strickwaren verwendet.
- Angorawolle
- Angorawolle stammt aus dem Haarkleid des Angorakaninchens und wird durch Kämmen oder Scheren gewonnen. Sie zeichnet sich durch extreme Feinheit, geringes Gewicht und eine hohe Wärmeleistung aus, besitzt jedoch allein wenig Festigkeit, weshalb sie meist mit anderen Fasern wie Schafwolle vermischt wird. Verwendet wird sie unter anderem für Pullover, Mützen und weiche Accessoires.
B
- Bastfaser
- Bastfaser ist ein Sammelbegriff für pflanzliche Fasern, die aus dem Stängel bzw. der Rinde („Bast“) von Pflanzen gewonnen werden, etwa bei Flachs, Hanf, Jute oder Ramie. Die Gewinnung erfolgt traditionell über die Röste, einen mikrobiellen Aufschluss, gefolgt von Brechen und Kämmen der Faserbündel. Bastfasern gelten allgemein als reißfest und atmungsaktiv und werden zu Textilien, Seilen und technischen Produkten verarbeitet.
- Baumwolle
- Baumwolle wird aus den Samenhaaren der Baumwollpflanze gewonnen, die sich nach der Blüte in Kapseln bilden und maschinell oder händisch geerntet werden. Die Faser ist saugfähig, atmungsaktiv, hautfreundlich, gut färbbar und vergleichsweise pflegeleicht. Sie ist weltweit die meistverarbeitete Naturfaser und findet sich in Bekleidung, Bettwäsche und zahlreichen Haushaltstextilien.
D
- Denier/Feinheit
- Denier (Einheitszeichen „den“) ist eine Maßeinheit für die Feinheit von Fasern und Filamenten und beschreibt das Gewicht in Gramm pro 9.000 Meter Faserlänge. Je niedriger der Denier-Wert, desto feiner ist die Faser. Die Feinheit beeinflusst maßgeblich Griff, Fallverhalten und Transparenz eines Gewebes und wird sowohl bei Natur- als auch bei Kunstfasern angegeben.
F
- Faserlänge
- Die Faserlänge bezeichnet die Länge einer einzelnen Naturfaser von einem Ende zum anderen. Sie ist ein zentrales Qualitätsmerkmal, da längere Fasern sich zu feineren, gleichmäßigeren und reißfesteren Garnen verspinnen lassen als kurze Fasern. Die Faserlänge variiert je nach Pflanzen- oder Tierart, Anbaugebiet und Erntemethode erheblich.
- Filamentfaser
- Eine Filamentfaser ist eine durchgehende, praktisch endlose Faser, im Gegensatz zur kurzen Stapelfaser. Bei Naturfasern tritt dieser Fasertyp vor allem bei Seide auf, deren Cocon-Faden mehrere hundert Meter lang sein kann. Filamentfasern ergeben glatte, gleichmäßige und häufig glänzende Garne.
- Flachs/Leinen
- Flachs ist die Pflanze, aus deren Stängeln die Bastfaser gewonnen wird, die zu Leinengarn verarbeitet wird; die Begriffe werden umgangssprachlich oft synonym verwendet. Die Fasergewinnung erfolgt über Röste, Brechen und Kämmen der Stängel. Leinen ist reißfest, sehr saugfähig, trocknet schnell und wird typischerweise für Bekleidung, Bettwäsche und Heimtextilien eingesetzt.
G
- GOTS (Siegel)
- GOTS steht für „Global Organic Textile Standard“ und ist ein internationales Zertifizierungssiegel für Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern. Es legt Kriterien entlang der gesamten textilen Kette fest, von der Faserproduktion über die Verarbeitung bis zur Kennzeichnung, und schließt bestimmte Chemikalien sowie soziale Mindeststandards ein. Ob ein konkretes Produkt zertifiziert ist, lässt sich anhand der Lizenznummer bei der jeweiligen Zertifizierungsstelle nachprüfen.
H
- Hanf
- Hanf wird aus dem Stängel der Hanfpflanze mittels Röste und anschließender Faseraufbereitung gewonnen. Die Bastfaser gilt als besonders reißfest, robust und witterungsbeständig, und der Anbau kommt in der Regel mit vergleichsweise wenig Pestizideinsatz aus. Verwendung findet Hanf in Textilien, Seilen, Papier und zunehmend in Verbundwerkstoffen.
J
- Jute
- Jute ist eine Bastfaser, die aus dem Stängel der Jutepflanze gewonnen wird und hauptsächlich in Südasien angebaut wird. Sie ist grob, robust und vergleichsweise einfach in der Verarbeitung, weist jedoch eine geringere Feinheit und Farbbeständigkeit auf als andere Bastfasern. Typische Einsatzgebiete sind Säcke, Verpackungsmaterial, Teppichträger und Gartenbau-Textilien.
K
- Kapok
- Kapok ist eine sehr leichte, seidig glänzende Pflanzenfaser aus den Samenkapseln des Kapokbaums. Die Faser ist hohl, kaum saugfähig, dafür extrem leicht und wasserabweisend, lässt sich aufgrund ihrer glatten Oberfläche jedoch schlecht verspinnen. Traditionell wird sie als Füllmaterial für Kissen, Matratzen und Schwimmwesten verwendet.
- Kaschmir
- Kaschmir ist die feine Unterwolle der Kaschmirziege, die vor allem in Hochgebirgsregionen Zentralasiens beheimatet ist und meist im Frühjahr ausgekämmt wird. Die Faser ist außerordentlich fein, weich und im Verhältnis zu ihrem geringen Gewicht sehr wärmeisolierend. Da jedes Tier nur eine geringe Menge Unterwolle liefert, ist der Gewinnungsaufwand hoch; verwendet wird Kaschmir vor allem in Pullovern, Schals und feiner Strickware.
- Kokosfaser (Coir)
- Kokosfaser wird aus der Faserschale der Kokosnuss gewonnen, die nach dem Einweichen mechanisch aufgeschlossen wird. Die Faser ist grob, robust, salzwasserbeständig und verrottet nur langsam. Sie wird zu Matten, Bürsten, Seilen, Geotextilien und als Substrat im Gartenbau verarbeitet.
- Kompostierbarkeit
- Kompostierbarkeit beschreibt die Fähigkeit eines Materials, unter definierten Bedingungen wie Feuchtigkeit, Temperatur und mikrobieller Aktivität durch biologische Prozesse abgebaut zu werden. Unbehandelte Naturfasern wie Baumwolle, Leinen oder Wolle sind grundsätzlich biologisch abbaubar, wobei Ausrüstungen, Färbungen oder Mischgewebe mit Kunstfaseranteilen die Kompostierbarkeit einschränken oder verhindern können. Für eine industrielle Kompostierbarkeit nach genormten Prüfverfahren ist in der Regel ein gesondertes Nachweisverfahren erforderlich.
M
- Merinowolle
- Merinowolle stammt vom Merinoschaf, einer Rasse, die für ihre besonders feine und weiche Wolle bekannt ist. Die Faser zeichnet sich durch geringen Faserdurchmesser, gute Elastizität und feuchtigkeitsregulierende Eigenschaften aus. Sie wird vor allem für Funktions- und Outdoorbekleidung sowie feine Strickwaren verwendet.
- Mikroplastik (Abgrenzung zu Naturfasern)
- Mikroplastik bezeichnet kleinste Kunststoffpartikel bzw. -fasern, die unter anderem beim Waschen synthetischer Textilien wie Polyester oder Polyamid freigesetzt werden und sich in der Umwelt kaum abbauen. Unbehandelte Naturfasern bestehen dagegen aus biologisch abbaubaren Polymeren wie Zellulose oder Keratin und zählen definitionsgemäß nicht zum Mikroplastik. Enthält ein Gewebe jedoch einen Kunstfaseranteil oder ist es mit kunststoffbasierten Beschichtungen ausgerüstet, kann auch dabei ein Mikrofaser-Abtrag entstehen.
- Mohair
- Mohair ist die Haarfaser der Angoraziege, gewonnen durch in der Regel zweimal jährliche Schur. Die Faser ist glänzend, robust, elastisch und wärmeisolierend, wird aber selten als reine Fläche, sondern häufig in Mischungen mit anderen Fasern verarbeitet. Typische Verwendung sind Strickwaren, Mäntel und Möbelbezugsstoffe.
N
- Naturfaser vs. Kunstfaser
- Naturfasern stammen unmittelbar aus pflanzlichen Quellen wie Baumwolle oder Leinen oder aus tierischen Quellen wie Wolle oder Seide und werden lediglich mechanisch bzw. durch einfache Aufschlussverfahren gewonnen. Kunstfasern werden dagegen industriell hergestellt, entweder aus natürlichen Polymeren wie Zellulose, etwa bei Viskose („Halbsynthetik“), oder vollständig aus petrochemischen Rohstoffen wie Polyester oder Polyamid („Vollsynthetik“). Die Unterscheidung ist relevant für Eigenschaften wie Abbaubarkeit und Tragekomfort, wobei beide Kategorien in sich sehr unterschiedliche Fasertypen umfassen.
- Nessel/Ramie
- Ramie, im deutschen Sprachraum teils auch als Nesselfaser bezeichnet, ist eine Bastfaser, die aus dem Stängel der Ramiepflanze, einem Nesselgewächs, gewonnen wird. Die Faser ist sehr reißfest, glänzend und nimmt Farbe gut an, benötigt jedoch aufgrund ihres hohen Pektingehalts einen aufwendigen Aufschluss. Verwendet wird Ramie unter anderem in Mischgeweben, Heimtextilien und technischen Anwendungen.
O
- OEKO-TEX (Siegel)
- OEKO-TEX ist eine unabhängige Prüf- und Zertifizierungsorganisation, die mehrere Textilsiegel vergibt, darunter den bekannten STANDARD 100, der Textilien auf Rückstände gesundheitlich bedenklicher Stoffe prüft. Das Siegel bezieht sich primär auf die Schadstofffreiheit des fertigen Produkts und trifft für sich genommen keine Aussage über die Faserherkunft oder ökologische Anbaubedingungen. Ob ein konkretes Produkt zertifiziert ist, lässt sich über die vom Anbieter angegebene Zertifikatsnummer prüfen.
P
- Pflanzenfaser
- Pflanzenfaser ist der Oberbegriff für Naturfasern pflanzlichen Ursprungs, die je nach Pflanzenteil in Samenfasern wie Baumwolle oder Kapok, Bastfasern wie Flachs, Hanf oder Jute sowie Hart- bzw. Blattfasern wie Sisal unterteilt werden. Allen gemeinsam ist der Hauptbestandteil Zellulose, der für Reißfestigkeit und Saugfähigkeit sorgt. Pflanzenfasern werden in Textilien, Verpackungen, Seilen und zunehmend in technischen Verbundwerkstoffen eingesetzt.
- Piñatex/Ananasfaser
- Piñatex ist ein Markenname für ein flächiges, ledernahes Material, das aus den Fasern von Ananasblättern hergestellt wird – einem Nebenprodukt der Ananasernte, das andernfalls meist als Abfall anfällt. Die Blattfasern werden aufbereitet, zu einem Vliesstoff verarbeitet und anschließend beschichtet, um eine lederähnliche Optik und Haptik zu erzielen. Verwendet wird das Material unter anderem für Schuhe, Taschen und Möbelbezüge als pflanzliche Alternative zu Tierleder.
R
- Rohseide
- Rohseide bezeichnet Seide im ungereinigten Zustand, wie sie direkt vom Seidenraupencocon abgewickelt wird, also noch mit dem natürlichen Bindemittel Sericin überzogen. Vor dem Entbasten, dem Entfernen des Sericins, fühlt sie sich fester und weniger glänzend an als fertig veredelte Seide. In manchen Fällen wird „Rohseide“ auch für gröbere, unregelmäßigere Seidengewebe mit sichtbarer Struktur verwendet.
S
- Schafwolle
- Schafwolle wird durch die Schur von Hausschafen gewonnen, meist ein- bis zweimal jährlich. Die Faser besteht überwiegend aus dem Protein Keratin, ist von Natur aus wärmeisolierend, elastisch und feuchtigkeitsregulierend. Je nach Schafrasse variiert die Faserqualität stark, von grober Teppichwolle bis zu feiner Bekleidungswolle.
- Seide
- Seide ist eine tierische Filamentfaser, die von Seidenraupen, meist der Art Bombyx mori, beim Spinnen ihres Cocons produziert wird. Der Cocon-Faden wird durch Abkochen gelockert und abgewickelt, was einen einzelnen, sehr langen Faden ergibt. Seide zeichnet sich durch ihren charakteristischen Glanz, ihre Leichtigkeit und Reißfestigkeit aus und wird vor allem für hochwertige Bekleidung und Heimtextilien genutzt.
- Sisal
- Sisal ist eine Hartfaser, die aus den Blättern der Agavenart Agave sisalana gewonnen wird. Die Fasern werden aus den Blättern herausgeschabt, gewaschen und getrocknet; sie sind grob, sehr reißfest und wenig elastisch. Typische Anwendungen sind Seile, Bindegarne, Teppiche und Geotextilien.
- Stapelfaser
- Eine Stapelfaser ist eine kurze, begrenzte Faser, im Gegensatz zur endlosen Filamentfaser, wie sie bei den meisten Naturfasern natürlich vorkommt, etwa bei Baumwolle oder Wolle. Um aus Stapelfasern ein Garn herzustellen, müssen die einzelnen kurzen Fasern miteinander verdreht werden, wodurch der charakteristische Griff vieler Naturfasergarne entsteht. Der Begriff wird auch für kurzgeschnittene Kunstfasern verwendet, die zur Verarbeitung wie Naturfasern gesponnen werden.
T
- Tierfaser
- Tierfaser ist der Oberbegriff für Naturfasern tierischen Ursprungs, die entweder aus dem Haarkleid von Säugetieren wie bei Schafwolle, Kaschmir, Alpaka oder Mohair oder aus tierischen Sekreten wie bei der Seide gewonnen werden. Hauptbestandteil ist in der Regel das Protein Keratin bzw. Fibroin, was Tierfasern von den zellulosebasierten Pflanzenfasern chemisch unterscheidet. Tierfasern gelten allgemein als besonders wärmeisolierend und werden überwiegend in Bekleidung und Heimtextilien verarbeitet.
W
- Wolle
- Wolle bezeichnet im engeren Sinn die Haarfaser von Schafen, im weiteren Sinn einen Sammelbegriff für die Haare verschiedener wollliefernder Tiere wie Ziegen, Alpakas oder Kamele. Wolle besteht aus Keratin, ist von Natur aus elastisch, wärmeisolierend und in gewissem Maß schmutz- und geruchsabweisend. Nach der Schur wird sie gewaschen, sortiert, gekämmt oder kardiert und anschließend zu Garn verarbeitet.
Z
- Ziegenhaar
- Ziegenhaar ist das Haarkleid von Hausziegen, das je nach Rasse und Haartyp sehr unterschiedliche Fasern liefert – von der feinen Unterwolle, etwa bei der Kaschmirziege, bis zum groben Deckhaar, wie es für Pinsel oder technische Gewebe verwendet wird. Die Gewinnung erfolgt durch Auskämmen oder Schur, abhängig von Rasse und gewünschtem Fasertyp. Ziegenhaar wird sowohl in der Textilherstellung als auch in handwerklichen Anwendungen eingesetzt.
